Sonntag, 2. Mai 2010

Sonntag, 02.05.10

Spargel schneiden. Küssen ist manchmal nichts anderes als Spargel schneiden, auch wenn das zugegebenermaßen auf den ersten Blick nicht so ausschaut. Skeptische oder belustigte Blicke würde ich auch niemandem übel nehmen. Aber mal ehrlich, besser man schneidet den Spargel mit Gefühl und erhält am Ende eine gerade Schnittstelle, als wenn man ohne jegliches Gefühl schneidet und am Ende lauter holzige, endlos lange Streifen auf dem Teller hat, die sich nicht mal ansatzweise angenehm kauen lassen.


Stellt man sich nur mal folgende Situation vor; man ist auf irgendeiner Festivität und landet nach ein paar Stunden draußen auf einer Bank. Es ist dunkel, viertel vor zwölf vielleicht. Und auch wenn es kalt ist, die Jacke liegt zusammen mit der Handtasche in der Garderobe. Gewärmt wird man von den Leuten, die sich ebenfalls auf der Bank niedergelassen haben. Und so sitzt man dort gemütlich, offensichtlich angeheitert, und reißt Stück für Stück das Etikett der Bierflasche ab, welche noch etwas weniger als ein Viertel gefüllt ist. Die Gespräche sind gut, so gut, dass man sich am nächsten Morgen noch detailliert daran erinnern wird.

Eine Zigarette später leert sich die Bank. Wie die Bierflasche, deren Etikett nur noch aus dünnem, weißem Papier besteht, welches sich nicht so ohne Weiteres abreißen lässt. Man kommt mit irgendeiner Person ins Gespräch, die man gerade erst kennen gelernt hat. Das Gespräch verläuft locker und entspannt, wozu der Alkohol wahrscheinlich einen beachtlichen Teil beiträgt. Und irgendwann kommt der Punkt an dem man sich denkt ‚Hey, warum nicht?’.


Jetzt könnte man ja eigentlich sagen, alles ist sahne und morgen ist alles vergessen. (Natürlich könnte man sich auch allgemein drüber streiten, ob diese Art von Bekanntschaft wirklich sein muss!) Aber falsch gedacht, an diesen Abend, oder besser an die Person, von der man dachte, sie sei nur eine flüchtige Bekanntschaft, wird man sich noch lange erinnern. Aus guten Grund, denn, meine lieben Herren der Schöpfung, so geht’s echt gar nicht!


Man sitzt also da und ahnt nichts Böses, als man sich mit einem mal an der Zunge seines Gegenübers verschluckt. Mit Husten inklusive und so. Die Lippen haben sich nicht mal berührt und sie werden es auch nicht. Glaube an dieser Stelle, dass es Leute gibt, die denn Begiff 'Zungenkuss' in den falschen Hals kriegen (wo wir ja gerade beim Thema sind, haha). Jedenfalls hat man den ersten Schock überwunden und denkt optimistisch, dass es nur besser werden kann, als sich der Gegenüber die nächste, etwas unverständliche Aktion bringt. Und zwar pult er nun ohne jegliches Rhythmusgefühl in der Mundhöhle herum, sodass man schon fast fragen möchte, nach was genau er denn da sucht.

Bin musikalisch sehr unbegabt, obwohl ich mal eine Zeit lang Gitarre gespielt habe. Wurde aber auch eher dazu gedrängt. Egal, bisher ging ich davon aus, dass jeder Mensch, ob musikalisch oder nicht, ein Rhythmusgefühl besitzt. Ist aber doch nicht so.


Jedenfalls kommt man sich vor wie eine Sauerstoffflasche. Und vielleicht auch ein bisschen wie so ein Wühltisch im Schlussverkauf, wo ganz fett ‚Reduziert!’ draufgeklatscht ist. Aber es kommt noch interessanter, denn jetzt schießt der Gegenüber so mit seiner Zunge nach vorne, dass man plötzliche Übelkeit verspürt. Frage mich, ob auf diese Weise schon mal jemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist. Überlege gerade was schlimmer ist; permanent den Brechreiz zu unterdrücken oder die Tatsache, dass das eigene Gesicht zu siebzig Prozent angesifft ist. Da kann man sich dann echt glücklich schätzen, wenn die Haare nicht im Gesicht liegen.

Nach dieser völlig missglückten Art der Zuneigung überlegt man dann, ob man den Gegenüber vielleicht besser darauf ansprechen sollte, das würd ich nämlich nicht mal meinen schlimmsten Feinden gönnen. Wobei denen vielleicht; egal, ich schweife ab. Ist bestimmt eine richtige Klatsche, wenn man so was ins Gesicht gesagt bekommt..

Was ist eigentlich, wenn der beschriebene Mann schon einige Beziehungen geführt hat, wovon ja in der Regel auszugehen ist? Beschließe, das mal aufzuteilen.


Für die Frau, die den Mann nur flüchtig kennt tun sich da Fragen auf; spricht man das an oder lässt man es besser bleiben? Wie würde der Gegenüber reagieren oder kommt es arg arrogant wenn man es anspricht? Ist es feige wenn man es lässt? Frau hat sich in dieser Situation entschlossen, es zu lassen. Verständlich wie ich finde, würde mich auch nicht freuen, wenn ich so was erzählt bekäme. Die Frau kann einem irgendwie echt Leid tun, nicht nur, dass sie sich entweder für oder gegen das Ansprechen entscheiden muss, allgemein ist es für sie zum Schwarzärgern. Der Kontakt zwischen den beiden ist eine einmalige Sache und da sind solche Umstände dann wirklich sehr enttäuschend und frustrierend.


Generell finden die meisten Frauen schlechtküssende Männer eher abstoßend. Was ebenfalls sehr abstoßend ist, ist wenn man ununterbrochen sone Zunge im Hals hat, schließlich muss man ab und zu auch mal atmen. Aber auch wenn man nicht atmen müsste, gingen Leute, die ständig nur mit Zunge küssen echt auf den Sack. Denn, auch wenn das jetzt auf einmalige Kontakte nicht zutrifft, ein Kuss geht nach Möglichkeiten ins Herz, nicht in den Hals.

Aber mal ehrlich, ist Frau komplett unschuldig? Die Rollenverteilung kann im Übrigen auch genauso gut umgekehrt sein. Glaube, dass es ebenso viele Frauen gibt, die nicht gut küssen, weiß ich aber nicht.


Bin der Meinung, dass Mann nicht die alleinige ‚Schuld’ hat. Die Person, die ich oben beschrieben habe, hat nämlich schon einige Beziehungen geführt. Interessant und auch teilweise arm finde ich, dass es anscheinend Leute gibt, die sich lieber drei Monate lang (so lange dauerte Mann's letzte Beziehung) nach dem Küssen mit mehrlagigen Taschentüchern das Gesicht abputzen, als dem BEZIEHUNGSPARTNER zu sagen, dass er mal bitte seinen Speichel bei sich behalten soll. Vielleicht habe ich ja auch etwas falsch verstanden, aber man hat doch in der Regel ne gute Vertrauensbasis in einer Beziehung. Vor allem, wenn diese drei Monate lang und drüber geführt wird. Da krieg ich echt einen Knall! Hat für mich auch was mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu tun. Lache über diese Feigheit, obwohl sie eigentlich zum Heulen ist. Beschließe zudem, niemals auf diese Art und Weise eine Beziehung zu führen.

Andauernd tun als ob nichts wäre ist der schwerste Verrat
(Thomas D.- Vergiftet im Schlaf)

Finde abschließend, dass man allgemein viel offener über solche Dinge reden sollte; das Leben ist zu kurz für dreimonatiges Ertragen miserabler Zuneigungsversuche. Außerdem finde ich Beziehungen, in denen die nötige Aufrichtigkeit/Ehrlichkeit fehlt echt lächerlich.


Frage mich im Übrigen, ob der beschriebene Mann eigentlich Spargel schneiden kann.

Bonsoir ;-)




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen