Muss sagen, dass ich Pärchen, die sich gefunden haben und es über Jahre miteinander aushalten, sehr bewundere. Bin mir auch nicht sicher, ob ich der Typ für lange Beziehungen bin, meine damit sowas wie vier Jahre und drüber. Falls diese Aussage Fragen zur Vergangenheit aufbringt; sag ich nicht. Bin mal vor längerer Zeit von einer erwachsenen Frau nach zwischenmenschlichen Beziehungen gefragt worden. Aber sag mal nem Erwachsenen, dass du dein Single-Leben genießt. Wie hört sich das denn auch an? Nach einer frühreifen Dreizehnjährigen, einer erfahrenen Dreißigjährigen, welche vor nicht allzu langer Zeit eine Beziehung beendet hat oder nach einer verbitterten Fünfzigjährigen, die nicht wahrhaben will, dass sie für die Männerwelt eher weniger attraktiv ist. Aber nach Jugend?
Die Jugend ist doch bekanntlich die Zeit der ersten großen Liebe. Ich lache, habe da so ein Bild im Kopf. Zwei, unter Auswirkungen der Pubertät leidende, unschuldige Jugendliche, bei denen man nicht ausmachen kann, wer sich für wen erbarmt hat. Das war oberflächlich und gemein. Ich lösche das Bild aus meinem Kopf und nehme mir vor, in Zukunft weniger oberflächlich zu sein.
First Love hin oder her. Ich denke an Jan, finde, dass er sehr schwer zu durchschauen ist. Habe mittlerweile aufgehört seine Verabredungen mit jeglichen Mädchen zu zählen, glaube, dass wir uns da nicht mehr im zweistelligen Bereich befinden. Bin mir aber nicht sicher, hundert klingt sehr viel. Bin bestens über Jans bisheriges Liebesleben informiert, er trifft sich mit Mädchen, geht Beziehungen ein und beendet diese recht schnell wieder. Worauf die nächste innerhalb kürzester Zeit folgt. Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Jan sich nacheinander in hundert Mädchen verliebt hat, ist auch nicht so. Jan hat gesagt, er habe sich noch nie richtig verliebt. Sucht aber danach, geht deswegen so viele Beziehungen ein. Finde, dass Jan vielleicht ein bisschen zu verbittert sucht. Frage mich auch, ob es nicht ungerecht ist, dass er so viele Mädchen verletzt, für die Jan die erste große Liebe ist, nur damit er sie endlich findet. Ich glaube, dass ich ein schlechtes Gewissen hätte.
Was heißt es eigentlich, wenn man sein Singleleben genießt? Das andere Geschlecht nach Möglichkeit meiden? One-Night-Stands? Kann man denn das Singledasein überhaupt genießen, ist eine Partnerschaft nicht generell schöner? Vielleicht heißt es Freiheit, vielleicht aber auch warten oder 'Bestrafung'. Klingt sehr hart, hab ich mal in Anführungszeichen gesetzt. Nicht, dass man in einer Partnerschaft, was Freiheit angeht, radikal eingeschränkt ist (wobei auch das ab und an durchaus zutrifft), aber diese Freiheit hat halt weniger Grenzen. Als Single kann man die Männer/Frauen heute meiden und morgen mit Leuten vögeln, die man eh nie wiedersieht. Um diese Freiheit genießen zu können, ist es jedoch Voraussetzung, dass das Herz frei und nicht besetzt ist. Denn dann wird das Singlesein zur Qual, die 'Freiheit' zur Last.
Schön kann es allerdings sein, Entscheidungen in dieser Zeit ohne jeglichen Einfluss seitens des Partners zu treffen. Und wer weiß, vielleicht entscheidet man sich ja irgendwann doch noch für ne feste Beziehung? Das ist schon wieder komisch. Wird man bei dieser Entscheidung nicht doch beeinflusst? Glaub schon, bis auf diejenigen, die eine Kopfentscheidung, welche sich eigentlich von der gewünschten Bauchentscheidung differenziert, mit dem Bauchgefühl vereinbaren können. Bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht kann. Weiß auch nicht, ob man das braucht, habe aber ein interessantes Zitat dazu gefunden.
Die Welt gehört dem, der nicht fühlt. Die Grundvoraussetzung, um ein praktischer Mensch zu werden, ist ein Mangel an Sensibilität.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe
Freue mich (was ein Stück weit paradox ist, da ab und an daran verzweifle), dass ich oft keine Entscheidung treffen kann, welche im Endeffekt Kopf und Bauch zufriedenstellt. Ich schweife ab, darüber zerbrech ich mir ein andermal den Kopf. Jedenfalls kann man dann ja eigentlich nicht frei entscheiden, ob man Single sein möchte oder nicht. Und wenn man nicht in einer festen Beziehung ist, so kann man die Zeitspanne dieses Zustands auch nicht selbst festlegen. Entweder das Herz ist frei oder eben nicht. Bemerke, dass man sich nur sehr wenig kontrollieren kann, mag das nicht sehr. Bin im Gegenzug aber immer noch froh, dass mir manche Entscheidungen Bauchschmerzen bereiten. ;)
Habe noch einen Aspekt, der mir auf der Seele brennt, finde die verschiedenen Auswirkungen von kurzen Beziehungen/ One-Night-Stands/ etc. auf Frau, beziehungsweise Mann nämlich sehr ungerecht.
Offensichtlich wächst Mann mit steigender Anzahl an Frauen. Er ist ein toller Hecht und fühlt sich durch die vielen Beziehungen bestätigt. Frau hingegen wird als 'Schlampe' bezeichnet, hat einen guten Ruf zu verlieren und wenn dieser erst einmal durch einen Schlechten ersetzt wird, verliert Frau an Niveau.
Abschließend bin ich also der Meinung, dass jeder selbst entscheiden sollte, was gut für ihn ist.
Und jetzt; gute Nacht, liebe Sorgen, leckt mich, bis morgen! Salut ;-)
Beeindruckend ist wohl tatsächlich die beste Beschreibung für die Pärchen, die es über Jahre aushalten. Man muss doch zugeben, dass so eine Beziehung schwieriger ist, als man denkt. Zu Beginn total umgehauen von all den Gefühlen, und doch denkt man, man gibt es ja ungern zu, ans Ende.
AntwortenLöschenHöre ich mich jetzt nicht auch wie eine Fünfunddreizigjährige Frau an, die gerade eine langjährige Ehe hinter sich hat und verbittert zugeben muss, dass es nicht das erhoffte Glück war? Auch egal...
Um zum Thema zurück zu kommen, was bedeutet Beziehung und Single - Leben eigentlich?
Hast ja schon Recht, dass es was mit Freiheit und Einschränkung zu tun hat.. und mit dem Herzen. Doch was ist das Herz? Biologisch betrachtet ist ja lediglich ein Stück Fleisch, das uns gewissermaßen am Leben hält. Metaphorische betrachtet ist es das Symbol der Liebe. Nun ja, ohne die wir gewissermaßen nicht leben könnten. Ist jetzt also eine Beziehung schöner als das Sinlge-Dasein? Da blüht das Herz doch auf...(Merkwürdig... Mit Ironie betrachtet nimmt der Satz eine ganz andere Bedeutung ein.)